Cannabissorten - Nomenklatur

Die aktuelle botanische Nomenklatur von Cannabis unterscheidet sich vom häufig bekannten, älteren Modell der Einordnung in "Sativa" und "Indica" Sorten, welche noch bis um die 2000er Jahre in Fachkreisen Verwendung fand.
Seit 2004 wurde eine neue Nomenklatur der Arten eingeführt, welche sich von der traditionellen teilweise deutlich unterscheidet. Im folgenden sind diese einmal aufgelistet, jeweils beginnend mit der trad. Bezeichnung. 
 - Nutzhanf > > > Cannabis sativa l., NLH (Narrow Leaf Hemp), 
Anbau zur primären Fasergewinnung sowie nicht psychoaktiver Cannabinoide wie bspw. Cannabidiol (CBD)
 - Indica > > > C. sativa ssp. afghanica, BLD (Broad Leaf Drug),
Anbau zur Gewinnung der sekundären Pflanzenstoffe in den Blüten
 - Sativa > > >  C. sativa ssp. Indica, NLD (Narrow Leaf Drug),
Anbau zur Gewinnung der sekundären Pflanzenstoffe in den Blüten
 - Hybride > > >  Kreuzungen aus "Indica"- und "Sativa"-Sorten zu unterschiedlichen Anteilen,
Anbau zur Gewinnung der sekundären Pflanzenstoffe in den Blüten
 - Ruderalis > > > C. sativa ssp. spontanea, NLHA (Narrow Leaf Hemp Ancestor)
Kein primärer Anbau, aber diese aus dem Kaukasusregion stammende Genetik wird aufgrund ihrer lichtunabhängigen Blüteeinleitung zur Kreuzung mit "Sativa"- und "Indica"-Sorten genutzt, um die sog. Automatics-Genetiken zu generieren.

C. sativa ssp. afghanica, BLD (Broad Leaf Drug),
aka. "Indica"

Als typische "Indica"-Sorte wurden Cannabispflanzen bezeichnet, wenn i.d.R. ihre Wuchsform eher gedrungen und allgemein buschig erscheint. Die Abstände zwischen den Trieben (Nodienabstände) sind kleiner, Fächerblätter sind im Vergleich eher breiter und etwas dicker. Die Dauer der Blütephase liegt im Rahmen von ca. 6-9 Wochen.
Grundsätzlich werden die sogenannten "Indica"-Sorten aufgrund ihres allgemein wahrgenommenen Wirkprofils angebaut. Der Konsum der sekundären Pflanzenstoffe (u.a. Cannabinoide, Terpene, Flavonoide) der getrockneten Blüten von "Indica"-Sorten gelten als "körperlich beruhigend, schlaffördernd, muskelentspannend".

Bekannte Vertreter dieser Unterart sind u.a. : White Widow, Blueberry, viele KUSH-Sorten (abgeleitet vom "Hindukusch"-Gebirge)

Cannabis kann generell aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung an sek. Pflanzenstoffen auf jeden Menschen eine individuelle Wirkung haben (Entourage-Effekt), da diese individuell unterschiedlich aufgenommen und verstoffwechselt werden.

C. sativa ssp. Indica, NLD (Narrow Leaf Drug),
aka. "Sativa"

Als typische "Sativa"-Sorte wurden Cannabispflanzen bezeichnet, wenn i.d.R. ihre Wuchsform eher hochgewachsen und allgemein gestreckt erscheint. Die Nodienabstände sind größer, Fächerblätter sind im Vergleich eher länger und etwas dünner. Die Dauer der Blütephase liegt im Rahmen von ca. 10-16 Wochen und ist damit im Mittel deutlich länger als bei "Indica"-Sorten.
Grundsätzlich werden auch die sogenannten "Sativa"-Sorten aufgrund ihres allgemein wahrgenommenen Wirkprofils angebaut. Der Konsum der sekundären Pflanzenstoffe (u.a. Cannabinoide, Terpene, Flavonoide) der getrockneten Blüten von "Sativa"-Sorten gelten als "geistig anregend, kreativitätsfördernd, stimmungsaufhellend".

Bekannte Vertreter dieser Unterart sind u.a. : Amsterdam Amnesia, Orange Bud, Skywalker Haze, Durban Poison, Think Big, 

Cannabis kann generell aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung an sek. Pflanzenstoffen auf jeden Menschen eine individuelle Wirkung haben (Entourage-Effekt), da diese individuell unterschiedlich aufgenommen und verstoffwechselt werden.

Kreuzungen aus "Indica" und "Sativa"-Sorten,
aka. Hybride

Als sog. Cannabis-Hybride werden i.d.R. Kreuzungen aus "Indica"- und "Sativa"-Genetiken bezeichnet. Sie bilden eine immer größer werdende Eigenart und enthalten verschiedene Gewichtungen an den bereits beschriebenen Merkmalen der jeweils verwendeten "Indica"- und "Sativa"-Genetiken, inklusive der nachgesagten Wirkprofile.
Gekreuzt werden kann Cannabis auf verschiedene Art und Weise. Die klassische Form der Kreuzung dieser heutzutage zweihäusigen Pflanze funktioniert mittels Bestäubung einer weiblichen Blüte durch den männliche Pollen. Für sog. "feminisierte Samen" können auch weibliche Pflanzen durch Stress oder Induktionsmittel wie bspw. Silbernitrat zum Zwittern gebracht werden. Die aus dieser Selbstbefruchtung entstehenden Samen tragen dann i.d.R. ausschließlich die weibliche Genetik inne.

Fügt man im Kreuzungsprozess noch die "Ruderalis"-Genetik an richtiger Stelle entsprechend hinzu, kann man Autoflower Hybriden erhalten.

Vertreter dieser Unterart sind u.a.: Purple OG Punch, Frisian Duck, Purple #1, Mimosa Punch

C. sativa ssp. spontanea, NLHA (Narrow Leaf Hemp Ancestor),
aka. "Ruderalis"

Von einer typischen "Ruderalis"-Sorte wurden Cannabispflanzen bezeichnet, wenn i.d.R. ihre Wuchsform sehr klein gewachsen und allgemein gedrungen erscheint. Die Nodienabstände sind sehr klein, Fächerblätter sind im Vergleich eher klein, schmal und haben weniger Finger (nur 3-5). Außerdem besitzt diese Art die genetische Besonderheit, dass sie unabhängig vom herrschenden Lichtzyklus in die Blütephase wechseln können. Man spricht hierbei von einer durch chronologische Reifung eingeleiteten Blüte. Diese wichtige Eigenschaft hat sich wohl aufgrund der herausfordernden klimatischen Bedingungen im Ursprungshabitat bspw. im Kaukasus mit relativ kurzen Sommern entwickelt. So schafft sie es in nur ca. 5-7 Wochen Blütezeit ihre Samen für die nächste Generation auszubilden und gilt deshalb auch generell als eine sehr robuste Cannabisart in der Kultivierung.

Grundsätzlich werden keine reinen "Ruderalis"-Sorten angebaut, da sie selbst genetisch bedingt nur unszureichende Mengen an Cannabinoiden produzieren
Die primäre Nutzung von Ruderalis-Genetiken liegt aber in der Erzeugung sog. "Automatics"- oder "Autoflower"-Sorten durch Einkreuzungen in klassische bspw. "indica"- oder "Sativa"-Genetiken. So können klassische eigentlich photozyklischen Cannabissorten in selbstblühende Versionen umgewandelt werden, welche dann ggf. sogar kürzere Blütephasen bekommen, womit bspw. mehr Erntezyklen im Jahr möglich werden.
Bezeichnet werden diese "neuen" Sorten mit dem Präfix "Auto". So wird bspw. aus der Sorte Orange Bud dann "Auto Orange Bud".

Bildquellen: Eigenaufnahmen © Christian Schäffer 2024/25; https://pixabay.com/; https://unsplash.com/de; https://www.pexels.com/de-de/

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