

Kulturgefäße -
die buchstäblich tragende Rolle
Fast jeder kennt sicherlich den Satz: "Wie man sich bettet so liegt man."
Welchen und wie viel Raum wir unserer einzelnen Pflanze bzw. ihren Wurzeln zur Verfügung stellen, entscheidet bzw. begrenzt pauschal die Möglichkeit des unterirdischen Wurzelwachstums.
Sprechen wir allgemein von Pflanztöpfen, wobei in jedem Topf nur eine Pflanze wächst, ist Art und Volumen definierend für die daraus resultierenden Eigenschaften.
Wenn wir von einem Beet ausgehen, haben wir hier i.d.R. deutlich größere Volumen an Substrat und normalerweise auch nur noch von Erdsubstraten.
Nutzen wir den gewachsenen Naturboden bspw. in einem Gewächshaus oder gar auf einem Feld arbeiten wir ohne Kulturgefäß(e).
Ob und welche Kulturgefäße, -art, -form und -größe wir verwenden führt zu teilweise signifikanten Unterschieden in der Art und Weise wie angebaut werden kann und sollt.

Pflanztopf (solider Kunststofftopf)
Kunststofftöpfe sind langlebig, leicht, günstig und ermöglichen eine kontrollierte Wurzelraumbegrenzung. Sie speichern Wasser relativ gut und trocknen gleichmäßiger aus als bspw. Stofftöpfe.
Nachteil ist die schlechtere Belüftung, die bei empfindlichen Arten zu Wurzelstau oder Staunässe führen kann.
Kleine Volumina (0,2–3 L) eignen sich für Jungpflanzen in der vegetativen, größere (5–30 L) für adulte Pflanzen in der generativen Wachstumsphase.
Sehr große Volumina verbessern die Pufferung von Wasser und Nährstoffen, erschweren aber das Handling und verlangsamen das Aufwärmen des Substrats.
Es gibt neben Kunststoff eine große Anzahl verschiedener Materialien von soliden Töpfen wie bspw. glasierte und unglasierte Keramiken, Metall, Holz, Stein, Beton/Zement etc. Auf die Vor- und Nachteile dieser Töpfe soll an dieser Stelle aber nicht eingegangen werden, da es den Rahmen sprengt.
In der persönlichen Beratung können hierzu selbstverständlich alle Fragen besprochen werden.

Stofftöpfe (flexible Vlies- und Fasermaterialien)
Stofftöpfe bieten eine hervorragende Belüftung des Wurzelraums, was feines, gut verzweigtes Wurzelwachstum (Air-Pruning) fördert. Durch ihre hohe Atmungsaktivität trocknen sie jedoch schneller aus, was eine häufigere Bewässerung erforderlich macht. Sie sind leicht, günstig und faltbar, haben jedoch eine begrenzte Lebensdauer und verlieren mit der Zeit Struktur. Kleine Volumina (1–5 L) sind ideal für schnell wachsende Kulturen und Jungpflanzen, während große Volumina (20–60 L) besonders für die adulten Pflanzen sinnvoll sind. Größere Stofftöpfe kompensieren ihren hohen Wasserverlust und ermöglichen stabile Erträge.

Beete und Hochbeete
Beete und Hochbeete bieten gegenüber Töpfen ein größeres, natürliches Wurzelvolumen und damit bessere Wasser- und Nährstoffreservoire wie auch -pufferungen.
Hochbeete erwärmen sich schneller, sind ergonomisch und erlauben klare Bodenschichtungen, benötigen jedoch regelmäßige Nachfüllung und Pflege der organischen Struktur. Sie ermöglichen theoretisch auch vielfältige Mischkulturen, können aber bei falscher Befüllung ungleichmäßig austrocknen.
Kleine Beete (<1 m²) sind für Kräuter und kleine Kulturen geeignet, während Cannabis eher große Volumina wie in Hochbeeten üblich zugutekommt.
Große, tiefgründige Volumen fördern kräftiges Wurzelwachstum und sind durch ein deutlich größeres und diverseres Bodenleben i.d.R stressresistenter gegenüber Umweltschwankungen.

Naturboden (Gewächshaus oder Freiland)
Der gewachsene Boden bietet das größte Volumen und die natürlichste Umgebung für Pflanzen, mit hoher Pufferkapazität für Wasser, Nährstoffe und Temperatur.
Vorteilhaft sind das stabile Bodenleben und die langfristige Struktur, während Nachteile u. a. Krankheiten im Boden, begrenzte Steuerbarkeit und mögliche Verdichtung sein können.
Im Gewächshaus lässt sich der Boden gezielt verbessern, im Freiland ist man stärker von Witterung, Niederschlag und Bodentyp abhängig.
Das riesige Wurzelvolumen ist ideal für Starkzehrer, wie Cannabis sogar im Daueranbau. Der Naturboden ist immer das „größte Volumen“ und daher oft die ertragsstärkste, aber am wenigsten kontrollierbare Kulturform.
Für den kontrollierten Anbau ist der Freilandanbau deshalb eine wohl eher ungünstigere Form der Kultivierung, da es hier nahezu keine, vor allem schnelle wirksame, Maßnahmen zur positiven Umweltbeeinflussung gibt.
